Meine Kinder liebten beide, als es an der Zeit war, die rote Windjacke. Zuerst trug sie meine Tochter. Sorgfältig habe ich für meinen Sohn das zerschlissenen Ärmelfutter ausgewechselt und es auch wieder herausgetrennt, als sie ihm zu klein war und ich die abgetragene Jacke schliesslich wegwarf. Auf diesen Stoff habe ich die Locken des ersten Haarschnitt meines Sohnes und die gleichzeitig angefallenen textilen Schnipsel genäht, die meine Tochter produzierte, als sie mit einer grossen Schere gefährliche Löcher in ein weisses T-Shirt schnitt, während sie es anhatte.
was von meinen Kindern so abfällt (1), 2007, Tricot auf Stoff, 31 x 35 cm
was von meinen Kindern so abfällt (2), 2007, Haare auf Stoff, 31 x 35 cm
aus dem Ärmel schütteln, 2007, Patchwork, gestrickt, Wolle, 60 x 45 cm
Ich wollte neue Werke aus dem Ärmel schütteln. Deshalb fertigte ich 2007 dieses Teil an, nähte es zusammen und fütterte es mit violetter Seide. Es bezog sich auf einen Ärmel, den ich als Teenager gestrickt habe. Er war aus lauter unregelmässigen Stückchen zusammengesetzt, die ich absichtlich so strickte. Danach ging mir die Geduld aus. Später warf ich ihn weg. Zusammen mit meiner Schwester habe ich ein Fotoshooting gemacht, wo ich den neuen Ärmel über einem olivgrünen Reportermantel trug. Zuerst fanden wir das beide toll. Ich sah mich bereits solche Schmuckärmel produzieren.
"Sieht aus wie eine Kriegsverletzung", rief sie dann aber auf einmal. Danach habe ich auch diesen Ärmel zerstört. Wir haben zwar direkt keinen Krieg erlebt, aber wir sind Kriegsenkelinnen. Unsere Eltern haben in Deutschland und Österreich als Kinder den zweiten Weltkrieg erfahren. Durch die Bücher von Sabine Bode über Kriegskinder und Kriegsenkel habe ich viel von meiner eigenen Geschichte verstanden.